
Der Weg ist das Ziel
Warum die Arbeitsstrecke Ihre beste BGM-Maßnahme ist – und kaum jemand darüber spricht
Das Wichtigste in Kürze
- Der Arbeitsweg ist die am meisten unterschätzte Stellschraube im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM)
- 45 Minuten Pendeln pro Strecke erhöhen das Burnout-Risiko
- Aktives Pendeln per Fahrrad senkt Krankheitstage nachweislich
- Fahrrad-Leasing verbindet Gesundheitsförderung, Bechäftigtenbindung und Nachhaltigkeitsziele in einer einzigen Maßnahme
- In Städten wie München, Hamburg, Berlin, Köln und Frankfurt ist das Potenzial für Fahrrad-Pendeln aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens auf den Straßen besonders hoch

Was versteht man unter aktivem Pendeln im BGM-Kontext?
Aktives Pendeln bezeichnet die Nutzung körperlich aktiver Fortbewegungsmittel für den Arbeitsweg – insbesondere das klassische Fahrrad oder E-Bike. Im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) gewinnt aktives Pendeln zunehmend an Bedeutung, weil es Bewegung in den Alltag integriert, ohne zusätzliche Zeitressourcen zu beanspruchen.

Im Gegensatz zu klassischen BGM-Maßnahmen wie Rückenschulungen oder Stressmanagement-Seminaren nutzt aktives Pendeln ein bestehendes Zeitfenster: den Arbeitsweg. Durchschnittlich pendelten knapp 70 Prozent der deutschen Beschäftigten in den vergangenen Jahren bis zu 30 Minuten pro Tag zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, diese „tote Zeit" kann im Sinne des BGM sinnvoller zur aktiven Gesundheitsförderung genutzt werden (Statistisches Bundesamt, 2024).
Der blinde Fleck im BGM: Warum HR den Arbeitsweg übersieht
Sie investieren in ergonomische Bürostühle, Obstkörbe, Yoga-Kurse und Mental-Health-Apps. Alles richtig. Doch eine Kennzahl fehlt in fast jedem BGM-Konzept: die Pendelzeit.
Die überraschende Erkenntnis: Diese Zeit ist kein unveränderliches Schicksal. Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie Ihre Mitarbeitenden im Büro ankommen – gestresst oder energiegeladen, erschöpft oder fokussiert.
Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat das Pendeln zur Arbeit?
Die wissenschaftliche Studienlage zum Zusammenhang zwischen Pendeln und Gesundheit ist eindeutig:
Pendelsituation | Gesundheitliche Auswirkung | Quelle |
|---|---|---|
| Pendelzeit über 45 Minuten pro Strecke (per Auto oder Bahn) | Erhöhtes Stresslevel mit Folgen | Mehr hierzu: https://www.dak.de/dak/gesundheit/familie-leben/arbeiten/pendeln-macht-krank_143644 |
| ÖPNV-Pendeln mit regelmäßigen Verspätungen | Signifikant höhere Fehlzeiten | Mehr dazu: www.tk.de/techniker/gesundheit-foerdern/stress-entspannung/balance-im-job/pendeln-kostet-zeit-und-nerven-2048874 |
| Aktives Pendeln per Fahrrad | Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen | BMJ, Celis-Morales et al., 2017 |
Der Umkehrschluss für HR: Wer die Pendelqualität verbessert, verbessert die Gesundheit der Belegschaft – bevor der Arbeitstag überhaupt beginnt.
Warum ist Fahrradfahren zur Arbeit gut für die Gesundheit?
Radfahren zur Arbeit ist bei genauer Betrachtung eine der wirksamsten BGM-Maßnahmen überhaupt.
Die Gründe:
Körperliche Gesundheitseffekte
- Niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei regelmäßigem Rad-Pendeln
- Reduktion von Übergewicht: Radpendler haben einen durchschnittlich besser eingependelten BMI im Normbereich (Mehr hierzu: https://www.adfc.de/artikel/gluecklicher-pendeln-mit-dem-fahrrad-mit-dem-rad-zur-arbeit-startet-am-1-mai)
- Stärkung des Immunsystems: Moderate tägliche Bewegung an frischer Luft fördert die Immunabwehr
Mentale Gesundheitseffekte
- Geringeres Risiko für Depressionen bei aktiven Pendlern
- Stressabbau: Bewegung vor und nach der Arbeit senkt Cortisol-Spiegel
- Bessere Schlafqualität: Tageslichtexposition am Morgen reguliert den circadianen Rhythmus
- Psychologischer Übergang: Bewusster Wechsel zwischen Arbeits- und Privatmodus („Boundary Management")
Wie viele Beschäftigte in Deutschland können mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln?
Das Potenzial für Fahrrad-Pendeln ist größer als viele HR-Verantwortliche vermuten:
- Der Großteil der Arbeitswege in Deutschland ist kürzer als 10 Kilometer (Details hier: https://www.ziv-zweirad.de/ziv-hintergrund-alltags-wegelaengen-zeigen-die-potenziale-des-radfahrens/)
- Mit einem E-Bike lassen sich 10 Kilometer in ungefähr 30 Minuten zurücklegen – oft schneller als mit dem Auto im Berufsverkehr
- In urbanen Regionen liegt das Potenzial noch höher
Was bringt in diesem Fall Fahrrad-Leasing und wie funktioniert es für Arbeitgeber?
Bike-Leasing ist ein Modell, bei dem Arbeitgeber klassische Fahrräder oder E-Bikes etwa über Deutsche Dienstrad ihren Beschäftigten zur Nutzung überlassen. Die Mitarbeitenden zahlen die Leasing-Rate in der Regel über eine Gehaltsumwandlung – und profitieren von erheblichen Steuervorteilen.
So funktioniert Fahrrad-Leasing in 5 Schritten:
- Arbeitgeber schließt Rahmenvertrag mit Dienstrad-Leasinganbieter ab
- Beschäftigte wählen Wunschrad online oder beim Fachhändler vor Ort
- Arbeitgeber least das Rad und überlässt es den Beschäftigten
- Monatliche Rate wird vom Bruttogehalt der Beschäftigten abgezogen (Gehaltsumwandlung)
- Nach Leasing-Ende: Beschäftigte haben die Wahl – Übernahme, Rückgabe oder Anschluss-Leasing
Welche Vorteile hat Bike-Leasing für Arbeitgeber?
Vorteil | Erläuterung |
|---|---|
| Kostenneutral und geschützt | Ersparnis bei Lohnnebenkosten kann Verwaltungsaufwand ausgleichen, außerdem kein Risiko durch Absicherung im Ausfallmoment |
| Sichtbares Nachhaltigkeits-Engagement | Zahlt auf ESG-Ziele und Employer Branding ein |
| Gesundheitsförderung ohne Zeitverlust | Beschäftigte bewegen sich auf dem Arbeitsweg |
| Einfache, digitale Prozesse | Vollautomatisierte Abläufe machen das Fahrrad-Leasing unkompliziert und aufwandsneutral |
| Beschäftigtenbindung | Attraktiver Benefit, besonders für jüngere Zielgruppen |
| Weniger Parkplatzbedarf | Facility-Kosten sinken langfristig |
Welche Vorteile hat Fahrrad-Leasing für Beschäftigte und wie können HR-Profis dies als Benefit bei der Talentsuche nutzen?
Vorteil | Erläuterung |
|---|---|
| Individuelle Ersparnis | Gegenüber Direktkauf durch Steuervorteile |
| Private Nutzung inklusive | Dienstrad darf auch in der Freizeit gefahren werden |
| Wartung & Absicherung oft inklusive | Kein Aufwand, keine unerwarteten Kosten |
| Hochwertige Räder erschwinglich | E-Bikes und Premium-Modelle werden bezahlbar und frei wählbar |
Wie kann HR aktives Pendeln im Unternehmen fördern?
Eine erfolgreiche Strategie zur Förderung des Fahrrad-Pendelns umfasst vier Handlungsfelder:
1. Infrastruktur schaffen
- Sichere, überdachte Fahrradstellplätze mit Anschließmöglichkeiten
- E-Bike-Ladestationen in Tiefgarage oder am Gebäude
- Duschen und Umkleiden – falls nicht vorhanden: Kooperation mit nahegelegenem Fitnessstudio
- Schließfächer für Helm, Kleidung und Zubehör
2. Finanzielle Anreize setzen
- Bike-Leasing einführen und bewerben als steuerlich attraktiver Benefit
- Fahrtkostenzuschuss für Radpendler (analog zum Jobticket)
- Prämien für nachgewiesene Radkilometer (etwa über STADTRADELN-App)
3. Kommunikation und Kultur entwickeln
- Führungskräfte als Vorbilder – der radelnde Geschäftsführer wirkt stärker als jedes Poster
- Erfahrungsberichte im Intranet von Kolleginnen und Kollegen
- Onboarding: Pendeloptionen und Dienstrad-Angebot aktiv vorstellen
- Fahrradfreundliche Kleiderordnung – Casual Friday wird zu Bike Friday
4. Events und Gamification nutzen
- STADTRADELN-Teilnahme als Team-Challenge
- Interne Kilometer-Wettbewerbe mit kleinen Preisen
- Bike Days mit Probefahrten und Radhändlern vor Ort
Wie misst man den Erfolg von Fahrrad-Pendeln als BGM-Maßnahme?
Für ein aussagekräftiges BGM-Reporting empfehlen sich folgende KPIs:
KPI | Erhebungsmethode | Zielwert (Beispiel) |
|---|---|---|
| Teilnahmequote Dienstrad-Leasing | HR-Daten | > 15 % der Belegschaft |
| Anteil aktiver Pendler | Beschäftigtenbefragung | Steigerung um 10 % p.a. |
| Durchschnittliche Krankheitstage (Radpendler vs. Nicht-Radpendler) | Kohortenvergleich | Differenz > 1 Tag |
| CO₂-Einsparung durch Radpendeln | Kilometer-Tracking × Emissionsfaktor | > 10 t CO₂/Jahr |
Machen Sie den Arbeitsweg zur wirksamsten BGM-Maßnahme Ihres Hauses – und geben Sie Ihren Beschäftigten das passende Rad an die Hand.


